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Verfahren und Geschichte

Die Kinder wählen im Stuhlkreis einen Gruppenverantwortlichen, der darauf achten soll, das arbeits-förderndes Verhalten gestärkt und arbeits-hinderndes Verhalten ausgeschaltet wird. Der Lehrer steht hier als „letzte Instanz“ zur Wahl, denn die Kinder sollen versuchen ihre Probleme selbst zu regeln, bevor sie auf seine Hilfe zurückgreifen. Wichtig ist es, dass jedes Gruppenmitglied einmal im Schuljahr die Position des Gruppenverantwortlichen durchläuft, um mit den Aufgaben und möglichen Problemsituationen konfrontiert zu werden. Der Sitzkreis gilt als wichtige Organisationsform. Ein Vorteil bei dieser Unterrichtsmethode besteht darin, dass jedes Kind die Möglichkeit zur Stellungnahme hat. Alle Kinder sind gleichberechtigt und können sich gegenseitig ansehen, wenn sie sprechen. Ein Problem ist, dass die Kinder leichter untereinander interagieren können und somit schnell vom Thema abgelenkt werden können.

Der Lehrer sollte darauf achten, dass das Umstellen der Tische und Stühle zügig und vorsichtig vonstattengeht. Seine Aufgabe ist es, einen Kreis ohne toten Winkel aufbauen zu lassen. Er muss sicherstellen, dass ein Moderator festgelegt wurde und dass die Ergebnisse anschließend gesichert werden.

Die Methode hat historisch verschiedene Wurzeln. In den ehemaligen Junge Pioniere-Klassen war der Klassenrat ein zentrales Element von Unterricht. Der Stuhlkreis ist außerdem ein Element der Freinet-Pädagogik.

Themen und Aufgaben

In der 1. Klasse dient der Sitzkreis als Methode, den Kindern Raum für Persönliches zu geben. Sie sollen die Chance haben, Erlebnisse aus dem Wochenende oder Probleme vor der Klasse vorzutragen. Im Sitzkreis werden außerdem Arbeiten reflektiert (Stärken, Schwächen, Verbesserungsvorschläge), um die Persönlichkeit der Kinder zu stärken. Die Kinder präsentieren nicht nur ihre Arbeiten im Stuhlkreis, sondern lernen gleichzeitig das Sprechen vor einer Gruppe, das Visualisieren von Inhalten, das Zusammenfassen und sie erproben sich in Feedback Techniken. Nicht zu vergessen, dass der Sitzkreis zur Regelung von Organisatorischem dient.

 

Soziales Lernen

Im Sitzkreis lernen die Kinder einen sozialen Umgang mit einander. Damit das soziale Zusammenleben funktionieren kann, bedarf es einiger Regelungen und Vereinbarungen, die gut im Stuhlkreis ausgehandelt werden können.

Der Stuhlkreis ist "die" Sitzform im Rahmen der Themenzentrierten Interaktion und die häufigste Sitzform der angewandten sozialen Gruppenarbeit.

Der Vorteil eines Stuhlkreises liegt u. a. darin, dass alle Beteiligten - und damit die Gruppenleitung als auch die Gruppenmitglieder alle Beteiligten zu jedem Zeitpunkt sehen, wahrnehmen und miteinander kommunizieren können. So fällt es für alle Beteiligten leichter, wahrzunehmen, ob jemand ausgeredet hat, etwas sagen möchte, durch Äußerungen verletzt wurde oder gegen getroffene Vereinbarungen verstoßen wurde. "Zentrum" des Sitzkreises ist nicht das Individuum, sondern das Thema selbst. (Siehe Themenzentrierte Interaktion). Dabei ist die Vorgehensweise in der Regel basisdemokratisch und ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung der gesamten Gruppe mit dem Thema unter Einbeziehung der vielfältigen Kompetenzen aller einzelnen Gruppenmitglieder. Die in einem solchen Rahmen erarbeiteten Ergebnisse sind in der Regel deutlich weiter gefasst und vertiefender, als dies mit Einzel- oder Stillarbeit möglich wäre. Der Lernumfang des Einzelnen wird auf diese Weise durch den Erfahrungs- und Wissensschatz der anderen Gruppenmitglieder in kurzer Zeit ökonomisch erweitert und reflektiert.

Die Schüler haben zudem im Stuhlkreis die Möglichkeit, ihr eigenes Handeln zu reflektieren und ein Stück weit zu kontrollieren. Entstehen Konfliktmomente, werden gemeinsam Alternativen gefunden, die dann auch protokolliert werden können. Die Teilnehmenden erlernen Kommunikationsfähigkeiten, Kompromissbereitschaft und üben tolerantes Verhalten ein.

 

Freie Stillarbeit

Die freie Stillarbeit ist eine Form des schulischen Arbeitens, die die Individualität der Schüler zu Tage kommen lässt. Durch eine geeignete Umgebung und Selbstbildungsmaterialien aus allen Lebensbereichen erarbeiten sich die Lernenden eigenständig Bildungsinhalte. Dabei wird ihnen die freie Wahl des Arbeitsthemas, des Partners, des Arbeitsplatzes und die Form des Ergebnisses zugetraut. Das Miteinander in der Arbeitsform übt soziales Verhalten ein, eigenes Tun dient der Aktivierung des Denkens und der Persönlichkeitsbildung. Das Zugestehen, selber etwas zu erarbeiten und Dinge frei zu entscheiden bzw. gestalten zu dürfen, stärkt die Schüler in ihrer Persönlichkeit. Eigenverantwortliches Arbeiten und Handeln äußert sich außerdem in der Wahl der Arbeitsweise sowie der freien Zeiteinteilung. Der Drang nach Erkenntnis wird durch diese Methode sehr gefördert.

   
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